Praxiserlebnis beim Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Am 21.01.2016 besuchte der Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig (MPI). Beim Praxiserlebnis tauschte sich der CDU-Landesgruppenvorsitzende mit mehreren leitenden Wissenschaftlern des Instituts aus und informierte sich über moderne Testverfahren und ihre Bedeutung für die Versorgung demenziell Erkrankter. Ein besonderer Schwerpunkt der Forschungsarbeit des MPI ist die Weiterentwicklung von Bildgebungsverfahren, um mit ihnen beispielsweise eine präzisere Diagnose unterschiedlicher Demenzarten zu ermöglichen.

Vernetzung als Voraussetzung für Spitzenforschung

„Wir möchten den Brückenschlag zwischen hochinnovativer Forschung und Versorgung schaffen“, sagte Prof. Dr. Arno Villringer, Direktor der Abteilung Neurologie des MPI und Partner im Dialogforum Demenz. Bei der Vorstellung der Forschungsarbeit des MPI hob er die exzellente technische Ausstattung zur Durchführung modernster Bildgebungsverfahren hervor. Zusätzlich sei die Vernetzung unterschiedlicher Fachrichtungen und Perspektiven enorm wichtig, um Forschung auf Topniveau zu leisten. Daher setze man beim MPI auf interdisziplinäre und interkulturelle Vielfalt und versuche, für die internationalen Mitarbeiter viele Möglichkeiten zum gemeinsamen Austausch zu schaffen. Herr Kretschmer fügte hinzu, dass er vor allem auch in der Verbindung von universitärer und außeruniversitärer Forschung ein zentrales Element für das Gelingen von Spitzenforschung sehe.

Bedeutung einer rechtzeitigen Diagnose

Beim Praxiserlebnis unterstrich Herr Kretschmer die große gesellschaftliche Herausforderung, die durch den zu erwartenden Anstieg der Zahl demenzieller Erkrankungen entstehe. Grundlagenforschung könne hier einen wichtigen Beitrag leisten, Kosten zu reduzieren, sagte MPI-Forschungsgruppenleiter Prof. Dr. Dr. Matthias Schroeter. Auf der Basis eines besseren Verständnisses von Krankheitsbildern könnten Folgekosten, wie beispielsweise durch Pflege oder stationäre Versorgung, gesenkt oder vermieden werden. Ein vielversprechender Ansatz liege in einem rechtzeitigen Eingreifen: „Eigentlich müsste eine Behandlung bereits 20 Jahre vor den ersten sichtbaren Symptomen ansetzen“, resümierte Prof. Schroeter.

Forschungsergebnisse würden darauf hinweisen, dass in frühen Stadien einer Demenz – in der Wissenschaft als „subjective cognitive impairment“ und „mild cognitive impairment“ bezeichnet – auf den weiteren Krankheitsverlauf eingewirkt werden kann. Daher müsse die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren vorangetrieben werden, um eine differenzierte Diagnostik bereits bei frühen Hinweisen auf eine Demenz zu ermöglichen. Dies sei umso wichtiger, da es eine Vielzahl an Demenzarten mit verschiedenen Charakteristiken zu unterscheiden gelte.

Zwar besteht momentan noch keine Möglichkeit einer krankheitsmodifizierenden Therapie. Dennoch sei eine differenzierte Diagnostik und deren Weiterentwicklung zentral, betonte Prof. Villringer, denn mit ihrer Hilfe können Demenzerkrankungen ausgeschlossen oder Krankheiten mit ähnlichen Symptomen erkannt werden, die sich heute bereits behandeln lassen. Zudem sei ein genaueres Erkennen von Krankheiten und das bessere Verständnis der zugrundeliegenden Zusammenhänge zentral für die Entwicklung therapeutischer Ansätze.

Diagnostische Ansätze weiterentwickeln

Die Leistungsfähigkeit moderner Bildgebungsverfahren demonstrierten die Wissenschaftler des MPI Herrn Kretschmer mit einer Live-Vorführung einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Bei dieser Methode ist es mithilfe von Magnetfeldern möglich, hochauflösende Bilder aktivierter Hirnareale am Computer darzustellen, auszumessen und mit vorhandenen Datensätzen zu vergleichen. „Die gemessenen Abstände werten wir dann statistisch aus und können von den Abweichungen auf kognitive Unregelmäßigkeiten schließen“, erklärte Prof. Schroeter. Großangelegte Studien und Kooperationen mit anderen renommierten Instituten lieferten hier einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren und ihrer Präzisierung, ergänzte er.

Neben der Bildgebung spielen auch neuropsychologische Verfahren in der Differenzialdiagnostik von Demenzen eine zunehmend größere Rolle. Dr. Angelika Thöne-Otto von der Tagesklinik für kognitive Neurologie, die eng mit dem MPI kooperiert, erklärte verschiedene Ansätze aus diesem Bereich. So könne beispielsweise eine mangelnde Fähigkeit zur Einschätzung des emotionalen Ausdrucks von Gesichtern oder die Nichtbefolgung von Regeln während Tests auf eine demenzielle Erkrankung hinweisen. Solche Erkenntnisse aus der Forschung und die Weiterentwicklung diagnostischer Verfahren tragen wesentlich zum besseren Verständnis demenzieller Erkrankungen bei. Letztlich sei dies auch die Grundlage für die Entwicklung von zukünftigen Therapieoptionen, fügte Prof. Villringer hinzu. Hier seien neben pharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten auch weitere vielversprechende Ansätze in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu erwarten.

Austausch zwischen Wissenschaft und Politik zum Thema Demenz fördern

Prof. Villringer verdeutlichte, dass man für erfolgreiche Grundlagenforschung und die Überführung ihrer Ergebnisse in die Versorgung auf politische Unterstützung angewiesen sei. Dies helfe, die positiven Resultate der Forschungsarbeit auch gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Gleichermaßen betonte Herr Kretschmer die Notwendigkeit und große Bereitschaft vonseiten der Politik, sich bei Besuchen vor Ort zu informieren. Eine solche Möglichkeit, sich die Arbeit von Forschungsinstitutionen näherbringen zu lassen und unmittelbare Einblicke zu gewinnen, sei für Politiker enorm wichtig. Man werde daher gerne im Kontakt bleiben und den gemeinsamen Dialog zum Thema demenzieller Erkrankung und der Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung fortführen. Max-Planck leiste wichtige Arbeit im Demenzbereich und sei auch darüber hinaus eine tolle Institution, die er gerne besuche, sagte Herr Kretschmer zum Abschluss des Praxiserlebnisses.

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BERICHT DES PRAXISERLEBNISSES

 

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