Praxiserlebnis „DAK im Dialog“ beim Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Am 11.09.2018 veranstaltete die DAK Gesundheit – Landesvertretung Sachsen in Kooperation mit dem Dialogforum Demenz beim Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig eine Abendveranstaltung zu den „Bedürfnissen und Handlungsfeldern“ der Demenzversorgung in Sachsen. Der Abend bot den knapp 90 Gästen aus Politik, Selbstverwaltung und Versorgung einen breiten Einblick in die vielfältigen Fragestellungen der Demenzversorgung. Neben neuen Einsichten aus der Arbeit der Partner des Dialogforums fanden sich in der Runde dank der Teilnahme regionaler Partner – etwa des Landesverbands des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN) sowie der Landesinitiative Demenz Sachsen – auch spannende Einblicke in die Versorgung auf Landesebene. (Informationen zu den Partnern finden Sie hier).

Gesellschaftliche Antworten auf den demografischen Wandel

Einleitend skizzierte Christine Enenkel, Leiterin der sächsischen Landesvertretung, wie stark die Gesellschaft bereits vom Thema Demenz betroffen ist. Sie stellte klar: „Mit der Alterung der Gesellschaft wird auch die Zahl der Erkrankten voraussichtlich weiter steigen. Demenz ist damit nicht nur ein pflegepolitisches Thema, sondern stellt gleichzeitig eine Herausforderung für die medizinische Versorgung und die gesamte Gesellschaft dar.“ Patienten sind ebenso betroffen wie Angehörige. In ländlichen Regionen entwickeln sich andere Herausforderungen, als in Städten – was sich am Beispiel Sachsen besonders zeigt.

Eine Folge dieser Entwicklung: Insbesondere ländliche Regionen sind von Unterversorgung bedroht. Eine Antwort auf diesen Trend liefert Andreas Storm. Der Vorstandsvorsitzende der DAK Gesundheit glaubt, dass eine stärkere Zentralisierung von Pflegeleistungen die Versorgungslage verbessern kann. Das Instrument der Wahl: sogenannte Pflegekompetenzzentren. „Dort könnten die ärztliche Versorgung, Beratungsangebote, spezielle Wohngruppen, Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege gebündelt werden“, so Storm. Damit würden viele Leistungen besser bei Patienten und Angehörigen ankommen – ein Anspruch, der die Arbeit Storms leitet, auch als Partner der Initiative Dialogforum Demenz.

Auf das Dialogforum Demenz ging auch Dr. Gerd Kräh, Senior Director Government Affairs der Lilly Deutschland GmbH, ein. Seine Kernaussage: ein komplexes Krankheitsbild wie Demenz bringt mehrdimensionale Herausforderungen mit sich. Um diese zu bewältigen und Patienten wie Angehörige in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, braucht es Kooperation und Ausdauer einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure. Das Dialogforum greift diesen Gedanken auf und bringt Partner aus der Versorgung, der Politik und Angehörige zusammen, um aus der Versorgung heraus politische Impulse zu setzen. Auch Politiker aus Sachsen haben diese Idee bereits unterstützt, nicht zuletzt Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Demenzversorgung in Sachsen: Starke Basis für weitere Aufgaben

Es überrascht folglich wenig, dass die Politik in Sachsen in den letzten Jahren viel in Sachen Demenz getan hat. Das zeigte auch Regina Kraushaar, Staatssekretärin des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz. Im Mittelpunkt der Regierungsarbeit stand, Patienten wie Angehörigen ein möglichst alltagsähnliches Leben zu ermöglichen. Ihr Mittel der Wahl waren dabei niedrigschwellige Versorgungs- und Unterstützungsangebote, z.B. der Aufbau einer Pflegedatenbank oder die Einrichtung lokaler Pflegekoordinatoren. In der nächsten Legislaturperiode will man hier weitermachen, so die Staatssekretärin. Lokale Pflegedialoge etwa sollen Stigmata weiter abbauen und Leistungen bekannter machen.

Auch Eva Helms wies wiederholt auf den Wert der Selbstbestimmung hin. Damit diese nicht zur Gefahr für Patienten und Andere wird, sondern eine größtmögliche Teilhabe ermöglicht, warb die Vorsitzende der Landesinitiative Demenz Sachsen für eine Breite politischer Maßnahmen. So müsste der Zugang zur ärztlichen Versorgung und zu Unterstützungsangeboten generell verbessert werden, z.B. durch die Umsetzung erfolgreicher Modellprojekte in der Regelversorgung, und die breitere Förderung von Selbsthilfegruppen.

Fortschritte bei Prävention, Diagnostik und Intervention

Prof. Dr. Arno Villringer vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften eröffnete eine andere Perspektive: Wodurch wird Demenz eigentlich verursacht und wie können wir sie verhindern? Seine These hierzu ist, dass bereits in jungen Lebensjahren die Weichen zur Demenzerkrankung beeinflusst werden können. Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Bluthochdruck und Schlafmangel erhöhen das Demenzrisiko. Eine frühzeitige Prävention durch Verhaltensanpassungen reduziert diese Risiken und erlaubt dem Gehirn, sich von entstandenen Schäden zu erholen. Er plädiert daher für mehr Gesundheitsbewusstsein – insb. Sport, Stressreduktion und Schlaf.

Doch wie erkennen wir Demenz überhaupt rechtzeitig? Dem ging Prof. Dr. Dr. Matthias Schroeter vom Universitätsklinikum Leipzig nach. Bereits 20 Jahre vor den ersten Symptomen sei es demnach möglich, durch Bildgebungsverfahren exakte Demenzdiagnosen zu stellen und die Entwicklung der Krankheit zu beobachten. Schroeter fordert, dieses Potenzial flächendeckend zu nutzen: Durch den Aufbau einer Datenbank und auf Big Data gestützte Therapiebegleitung könnte die Medizin viel effektiver in der Demenzversorgung reagieren als bislang.

Gemeinsam Teilhabe stärken und Strukturen ausbauen

Der Abend zeigte anschaulich, auf welchem Stand sich die Demenzversorgung in Sachsen befindet. Doch was heißt das für die Politik? Einerseits braucht es einen Qualitätsausbau in der stationären Pflege, wie Andreas Storm verdeutlichte. Ebenso wünschensert sind neue Gesundheitstechnologien oder systematische Präventionsmaßnahmen. Dr. Ulrike Bennemann, Vorsitzende des BVDN Sachsen, wies zudem auf den Wert der sprechenden Medizin und individualisierte Therapiemodelle hin, die aber unter Budget- und Regressdruck leiden. Auch die Digitalisierung kann helfen, in der Demenzversorgung weitere Fortschritte zu machen: Durch die Speicherung und Nutzbarmachung von Patientendaten in Form eines Registers könnte man nicht nur die Früherkennung verbessern. Dank präziser definierten Patientengruppen könnten auch Diagnostik und Therapie noch zielgenauer werden. Außerdem böten sie Forschern die Möglichkeit, eine breitere Wissensbasis für die Grundlagen- und Anwendungsforschung zu generieren. Diese vielen Ideen zeigen, dass im Bereich Demenz politisch eine Menge zu tun bleibt. Dabei sind sich alle Beteiligten aber einig: Messen müssen sich all diese Maßnahmen daran, wie sehr sie Patienten und Angehörigen zugute kommen. An erster Stelle stehen daher neue und bessere Möglichkeiten zur Teilhabe; Demenz darf kein Stigma sein. Dazu braucht es Information, Angehörigenentlastung, bessere Versorgungsstrukturen - alles, was nötig ist, um ein Leben „mitten in der Gesellschaft“ zu ermöglichen. Diesem Ziel verschreiben sich die Teilnehmer des Abends wie auch die Partner des Dialogforums Demenz auch weiterhin, in Sachsen und darüber hinaus.

DOWNLOAD

Hier können Sie sich den Bericht unseres Praxiserlebnisses als PDF-Dokument herunterladen:

BERICHT DES PRAXISERLEBNISSES

 

Zurück zur Übersicht der Praxiserlebnisse