Praxiserlebnis beim ISPG in Mannheim

Am 15.06.2016 besuchte der Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Kaufmann das Institut für Studien zur Psychischen Gesundheit (ISPG) in Mannheim. Beim Praxiserlebnis informierte sich der Abgeordnete der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über Methoden zur Früherkennung von demenziellen Erkrankungen und neue Erkenntnisse zu aktuellen Herausforderungen in der Demenzforschung. Zum Praxiserlebnis eingeladen hatten der Leiter des ISPG, Prof. Dr. Georg Adler, und Lilly Deutschland als Partner des Dialogforums Demenz.

Interdisziplinäre Behandlung in vertrauensvoller Umgebung

Das ISPG konzentriert sich mit seiner Arbeit auf die Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung von Demenzerkrankungen. Wichtig dafür ist eine eingehende und individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Beratung, betonte Prof. Adler. Einer der Gründe dafür ist, dass in der Frühphase der Alzheimer-Krankheit umfangreichere Diagnostik erforderlich sei, erklärte seine Mitarbeiterin Dr. Yvonne Lembach. Die Art und Ausprägung der ersten Symptome hängen immer von der individuellen Leistungsfähigkeit der untersuchten Person ab und die Diagnose Alzheimer-Demenz kann klinisch oft erst bei eingeschränkter Alltagsfähigkeit gestellt werden.

Ursächlich für eine Alzheimer-Krankheit sind jedoch biologische Prozesse, die schon Jahrzehnte vor Auftreten der Symptome beginnen, fügte Dr. Edith Schneider von Lilly Deutschland hinzu. In dieser langen „präsymptomatischen“ Phase können Maßnahmen der Sekundärprävention, z.B. Bewegung und geistige Aktivität, durchgeführt werden. Dr. Kaufmann schlussfolgerte für sich, dass man bei Menschen mit Demenz „viel tun kann durch rechtzeitige Intervention.“

Große Relevanz von differenzierter Früherkennung

Aktuelle Forschungsergebnisse liefern Anhaltspunkte, dass man der Krankheit mit einer Intervention in frühen Stadien einiges entgegensetzen kann. Die Hoffnung ist, dass man die Phase einer leichten Demenz hinauszögern und die schwere Phase verkürzen kann, erläuterte Prof. Adler.

Klinische Studienergebnisse deuten darauf hin, dass neue Therapien früher im Krankheitsverlauf eingesetzt werden sollten. Daher betreffen diese in Erprobung befindlichen Therapieoptionen insbesondere Leichtkranke, also nur einen Teil der etwa 1,6 Millionen Demenzpatienten in Deutschland, führte Prof. Dr. Beate Kretschmer von Lilly Deutschland aus.

Umso wichtiger ist es, genau diese Gruppe richtig zu identifizieren und ihnen geeignete Anknüpfungspunkte aufzuzeigen. Dazu werden am ISPG u.a. neuropsychologische Tests durchgeführt. Diese Verfahren konzentrieren sich auf kognitive Bereiche, die besonders früh beeinträchtigt sind. Ein Beispiel ist der „Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitstest“ (MAT), der viele Leistungsbereiche erfasst. U.a. müssen die Teilnehmer die Fakten einer zuvor vorgetragenen Geschichte richtig wiedergeben. Bestätigen sich die Beobachtungen der Patienten in solchen Tests, werden weitere spezifische Untersuchungen durchgeführt, um eine demenzielle Erkrankungen ausschließen oder bestätigen zu können sowie die Art der Erkrankung zu bestimmen.

Anschließend können adäquate Therapieoptionen eröffnet werden, z.B. multimodale Behandlungsprogramme oder die Teilnahme an klinischen Studien mit neuen Therapieformen. Die Früherkennung der Alzheimer-Demenz ermöglicht dabei einen längeren Planungshorizont für die Patienten und ihre Angehörigen. Zusätzlich könnte ein rechtzeitiges Intervenieren dazu beitragen, Folgekosten wie beispielsweise durch Pflege zu reduzieren: Wenn tatsächlich die Phase einer schweren Demenz verkürzt werden kann, verringern sich auch die Kosten für aufwändige pflegerische Maßnahmen. „Es macht Sinn, wenn man es volkswirtschaftlich betrachtet“, schlussfolgerte Dr. Kaufmann.

Für den adäquaten Umgang mit demenziellen Erkrankungen in unserer Gesellschaft sind die Angehörigen ein entscheidender Faktor, unterstrich Prof. Adler, gleichzeitig auch Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Rheinland-Pfalz. Neben ihrem großen Engagement in der Pflege leisten sie auch einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen, indem sie die demenziell Erkrankten begleiten und ihnen als Partner zur Seite stehen. „Hinter unseren Patienten steht oft mindestens eine starke Angehörige oder ein starker Angehöriger, der sie unterstützt“, betonte Prof. Adler.

Günstige Rahmenbedingungen für Demenzforschung schaffen

Dr. Kaufmann erkundigte sich beim Praxiserlebnis auch nach der öffentlichen Forschungsförderung im Bereich demenzieller Erkrankungen. Gerade im Vergleich mit skandinavischen Ländern sei diese noch sehr ausbaufähig, entgegnete Prof. Adler. Bislang sei es nicht gelungen, gute Ansätze wie das „Kompetenznetz Demenzen“ in die Breite zu bringen. Im Ergebnis würden Aspekte wie Früherkennung zu sehr vernachlässigt.

„Vom öffentlichen Sektor würde ich mir mehr Beharrlichkeit und einen langen Atem bei der Forschung zu demenziellen Erkrankungen wünschen“, resümierte Prof. Adler. Zwar gebe es schon einige Forschungsprojekte und Initiativen, verglichen mit anderen „Volkskrankheiten“ wie in der Onkologie hinke die Forschungsförderung von öffentlicher Seite aber noch hinterher.

Dr. Kaufmann griff diese Punkte auf und sicherte zu, er werde sie noch einmal gemeinsam mit den Gesundheits- und Forschungspolitikern seiner Fraktion diskutieren.

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BERICHT DES PRAXISERLEBNISSES

 

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