Parlamentarische Hauptstadtveranstaltung in Berlin

Am 15.02.2017 fand in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt die Hauptstadtveranstaltung des Dialogforums Demenz unter der Schirmherrschaft von Michael Kretschmer, MdB, statt. In direkter Nähe zum Deutschen Bundestag tauschten sich Experten aus Politik und Fachwelt intensiv aus und beleuchteten das Thema Demenz aus unterschiedlichen Perspektiven. Im abschließenden Podiumsgespräch diskutierten die Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis (SPD) und Peter Weiß (CDU/CSU) die zentralen Ergebnisse des Abends, den Susanne Wieseler moderierte.

Demenz als großes politisches Thema

Schirmherr Michael Kretschmer betonte in seinem Grußwort den großen Stellenwert des Themas Demenz in der politischen Debatte. Aus seinem Praxiserlebnis beim Max-Planck-Institut in Leipzig habe er u.a. mitgenommen, dass die Krankheit noch besser verstanden werden muss. „Dafür bedarf es der großzügigen Finanzierung der Grundlagenforschung“, erklärte er. Deshalb möchte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Milliarde Euro für die Erforschung großer Volkskrankheiten zur Verfügung stellen.

Auf die notwendige Weitung der Perspektive auf demenzielle Erkrankungen ging auch Dialogforums-Partner Dr. Gerd Kräh von Lilly Deutschland ein (mehr Informationen zu den Partnern des Dialogforums Demenz finden Sie hier). Zwar seien gerade mit den Pflegestärkungsgesetzen wichtige Verbesserungen erreicht worden und die Pflege sei ein wichtiger Baustein der Versorgung. In Zukunft sollten aber auch weitere Fachgebiete von der Politik angegangen werden. „Demenz ist mehr als Pflege“, unterstrich Dr. Gerd Kräh.

Ein konkretes Bild der Versorgungsrealität vermitteln

Dieser Gedanke spiegelt sich auch im Dialogforum wieder: die Initiative wird von Partnern aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen getragen, die in dieser Form selten zusammenarbeiten. Mit den bisherigen Aktivitäten hat das Dialogforum Demenz viele Bundestagsabgeordnete aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten erreicht (einen Überblick finden Sie hier). Gemeinsam mit den Partnern der Initiative haben sie sich in den jeweiligen Praxiserlebnissen vor Ort ein genaues Bild von den Lebensumständen demenziell Erkrankter sowie den Leistungen und Herausforderungen ihrer Angehörigen gemacht. Im Fokus steht dabei stets der offene und fachübergreifende Austausch anhand von konkreten Beispielen.

Zu Beginn der Veranstaltung warfen die Partner im Dialogforum gemeinsam mit Moderatorin Susanne Wieseler einen Blick auf die bisherigen Praxiserlebnisse, die so vielfältig sind wie die Partner-Institutionen selbst. Die Unterstützung von Angehörigen von demenziell Erkrankten, die Grundlagenforschung im Bereich bildgebender Verfahren zur Weiterentwicklung der Diagnostik, Modellprojekte zur Vernetzung unterschiedlicher Versorgungsbereiche, demenzfreundliche Angebote in der Kommune und Rahmenbedingungen für klinische Studien – eine Vielzahl an Themen wurde bereits betrachtet, weitere sollen folgen.

Unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen

So unterschiedlich die Perspektiven erscheinen, alle eint das Engagement für eine bessere soziale Teilhabe von demenziell Erkrankten und ihre Angehörigen. Zu diesem Leitgedanken konnten sich alle Gäste des Abends in drei Themenbereichen miteinander austauschen und dabei mit politischen Entscheidungsträgern und Experten aus diversen Fachbereichen ins Gespräch kommen.

Die Ergebnisse aus zwei Diskussionsrunden mit wechselnder Teilnehmerkonstellation (s.u.) wurden anschließend gesammelt an die Politik herangetragen. Im Podiumsgespräch mit Hilde Mattheis und Peter Weiß griff Moderatorin Susanne Wieseler einige dieser Punkte auf und vertiefte sie.

Das Thema Demenz mitten in die Gesellschaft bringen

Die Teilnehmer waren sich dabei über die große Bedeutung der Pflegestärkungsgesetze einig, denn diese hätten zu einer deutlich besseren Anerkennung von demenziellen Erkrankungen geführt. Dennoch seien Verbesserungen bei der Pflegeausbildung und der Personalausstattung sowie in anderen Politikbereichen notwendig. Das Thema Rooming-in für Angehörige nehme sie gerne noch einmal mit in den Bundestag, erklärte Hilde Mattheis.

Einig waren sich die beiden Bundestagsabgeordneten auch darin, dass einfach zugängliche Beratungsangebote eine zentrale Voraussetzung für das Auffinden der passenden Unterstützung darstellt. Wichtig sei in diesem Zusammenhang eine eng vernetzte, kommunale Infrastruktur, betonte Hilde Mattheis. Die SPD-Abgeordnete betonte, dass die Politik zwar einen Rahmen setzen könne – für das Gelingen einer besseren Demenzversorgung stünden aber auch die vielen Akteure aus Selbstverwaltung, kommunaler Versorgung und Ehrenamt in der Pflicht. „Wir haben viel getan, jetzt muss die Umsetzung folgen“, sagte sie.

Peter Weiß fügte hinzu, dass dazu auch die Förderung von Modellprojekten wie die der Allianz für Menschen mit Demenz beitragen könne. Ein wesentliches Ziel sollte die Enttabuisierung von Demenz sein, unterstrich Weiß. Aus eigener familiärer Erfahrung wisse er, dass ein angstfreier und offener Umgang mit der Erkrankung helfen könne, die richtige Unterstützung zu finden. „Demenz muss mitten in die Gesellschaft gebracht werden“, sagte der CDU-Abgeordnete resümierend.

Um diesem Ziel ein Stück näherzukommen, wird das Dialogforum Demenz den gemeinsamen Austausch mit Politikern und Experten aus allen Gesellschaftsbereichen fortsetzen und den Dialog auch in Zukunft mit weiteren Aktivitäten fortsetzen.

Ergebnisse der Themendiskussionen im Überblick

Grundlagenforschung und moderne Versorgung: Wie gelingen rechtzeitige Diagnosestellung und Intervention?

  • Förderung von Forschungsvorhaben in sozialen Fachbereichen
  • Verstärkte Aufklärung über Patientenverfügung, z.B. zur Teilnahme an Studien
  • Kommunikation von Möglichkeiten zur Beteiligung an Forschungsvorhaben
  • Aufbau von klinischen Demenzregistern (vergleichbar zu Krebsregistern)

Therapie- und Beratungsangebote: Wie erreichen wir eine engmaschigere Vernetzung?

  • Modellprojekte und Schaffung finanzieller Anreize für Vernetzungsaktivitäten
  • Förderung des Gesundheitswissens („health literacy“) in der breiten Bevölkerung
  • Einbindung von Angehörigen in die fachärztliche Therapie
  • Bessere Abstimmung von Therapieplan und Medikation
  • Stärkung präventiver Ansätze zur Unterstützung der oftmals stark belasteten Angehörigen

Austausch und soziale Aktivitäten: Wie können Angehörige optimal unterstützt werden?

  • Entstigmatisierung und offenerer Umgang mit der Erkrankung
  • Niederschwellige Beratungsangebote sowie „Lotsung“ zu qualitätsgesicherten Angeboten
  • Förderung des interdisziplinären Austauschs, z.B. zwischen Vereinen und Fachärzten
  • Sensibilisierung der Bevölkerung, z.B. durch Fortbildungsangebote für bestimmte Berufsgruppen
  • Zugänge zu sinnvollen diagnostischen Verfahren und Präventionsangeboten erleichtern

DOWNLOAD

Hier können Sie sich den Bericht unserer Hauptstadtveranstaltung als PDF-Dokument herunterladen:

BERICHT DER PARLAMENTARISCHEN HAUPTSTADTVERANSTALLTUNG

 

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